Fundierter Quatsch

oder: über die Freude auf das Unbekannte

Vor einer Weile war ich bei einem Arzt in Behandlung, der mir Antennen auf den Kopf und konvexe Spiegel vor die Augen gehalten hat. Er wedelte dabei mit einem Pendel vor mir herum und gab mir zu wissen wie alt meine Mitochondrien seien (bedeutend älter als ich es bin). Schließlich gab er mir eine Infusion mit einer Kochsalzlösung, welche zuvor von einem mysteriösen Guru energetisch aufgewertet worden war, um die Aktivität meiner Zellen zu verbessern und jegliche Störfelder davon zu spülen. Natürlich waren – laut dem Arzt – meine Mitochondrien im Anschluss wieder frisch wie bei einem Teenager. Trotzdem war ich verwirrt, so ein klein wenig. Solchen Dingen muss man entweder vertrauen, oder man hält sich von ihnen fern, denke ich.

Nun gibt es seit einer Weile zuhauf Methoden aus allen erdenklichen Gefilden menschlicher Kreativität. Es ist zuweilen nicht ganz so leicht im Vorfeld zwischen Unfug, Betrug und fundierter Wirksamkeit zu unterscheiden.
Als ich vor zehn Jahren meine Arbeit als Osteopath begann, da kannte fast niemand diese Arbeit. Ich musste mich stets erklären und versuchen dieses Berufsbild einigermaßen verständlich zu vermitteln. Natürlich hat es im Kern niemand wirklich verstanden. Und wenn wir etwas nicht verstehen was uns zugleich völlig unbekannt ist, so neigen wir dazu es als Unsinn, oder irrelevant abzutun. Es sei denn, wir vertrauen einer persönlichen Empfehlung, oder wir haben einen guten Draht zu dem Therapeuten. Seit einigen Jahren nun ist die Osteopathie derart weit verbreitet und anerkannt, dass es den Leuten nicht mehr so wichtig ist, dass sie nicht wirklich begreifen, was ich da tue. Hauptsache, es wirkt. Und da sie auch nicht mehr gegen gesellschaftliche Normen verstoßen – umso besser.

Als mir mein Lehrer für chinesische Lebenswissenschaften vor einigen Jahren erklärte, dass man anhand des numerologischen Systems Qi Men Dun Jia einen Qi-Fluss berechnen kann, mit dem man sich während eines meditativen Spaziergangs verbindet und dessen stärkende Wirkung aufnimmt, da habe ich ähnlich reagiert wie vor kurzem bei diesem Arzt mit seinen konvexen Spiegeln. Es ist zweifelsfrei ausgesprochen seltsam. Überdurchschnittlich seltsam, um genau zu sein.
Es ist Quatsch, um es mal auf dem Punkt zu bringen.
Da ich jedoch ein abenteuerlustiger Typ bin und besagtem Lehrer großes Vertrauen entgegen bringe beschäftigte ich mich ausgiebig mit dem Konzept hinter Qi Men Dun Jia. Ich stellte fest, dass der Quatsch extrem fundiert ist. Derart fundiert, dass man es jahrelang studieren könnte und immer noch mehr zu entdecken haben würde.

 

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Großmeister Li (rechts) und ich in Taiwan (Mai 2015)

Ich machte mich auf den Weg nach Taiwan und lernte den daoistischen Großmeister Li kennen, jenen Mann, der meinen Lehrer unterrichtet. Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit, und mein Aufenthalt dort hat vollkommen klar gemacht, dass es den Quatsch nur in meinem Kopf gibt. Der Quatsch ist ein Reflex des Denkens, das schlicht nicht in der Lage ist die Realität, die hinter diesem System steht zu begreifen.
In folgenden Artikeln werde ich einige Grundsätze der daoistischen Weltsicht erläutern. Zur Anwendung der auf dieser Seite vorgestellten Methoden ist es nicht zwingend notwendig das dahinterstehende Konzept zu begreifen; neugierige Menschen jedoch werden hier einen kleinen Einstieg finden, der, wie ich persönlich finde, das eigene Leben wesentlich bereichern kann.

Geschrieben von Oliver Berner

Heilpraktiker

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