Warum Meditation?

eine kleine Einführung in die Grundsätze daoistischer Alchemie

Ich möchte in diesem Artikel mit dem Missverständnis aufräumen, das bis heute der Praxis der Meditation anhaftet und zugleich deren praktische Anwendbarkeit insbesondere für Menschen in persönlichen Krisen hervorheben.

In der Vorstellung vieler Menschen bedeutet Meditation immer noch das selige Sitzen in Stille, umgeben und erfüllt von einen mystischen Frieden; die Gedanken sind zur Ruhe gekommen, der Körper ganz weich, so muss Glück sein. Eine Szenerie die vielleicht auch etwas affektiert erscheint. Aber der eigene Kopf? Der gibt niemals Ruhe, denken sich die Leute, und so lange still zu sitzen, das ist auch nichts, versteht sich.

Aber Meditation ist anders. Sie ist gerade in Zeiten, in denen die Gedanken stürmen und der Körper sich beschwert, ausgesprochen hilfreich, um sich selbst einen Halt zu geben; um einen Fokus zu finden, der uns Orientierung gibt und sowohl Innehalten, als auch Vorwärtsschreiten ermöglicht. Denn die Phasen besonderer Herausforderung in unserem Leben haben ja auch etwas Gutes: Sie bauen einen Druck auf, eine Notwendigkeit zur Veränderung, geben uns eine ehrliche Motivation, uns konzentriert für das eigene Wohl einzusetzen.

Die Frage ist – wie?

Es gibt für unterschiedliche Anliegen entsprechende Meditationstechniken, die erlernt und angewendet werden können. Das ist wie heiß baden, wenn Dir kalt ist. Bei Hunger essen. Bei Durst trinken. Der einzige Unterschied ist der, dass wir aus unerfindlichen Gründen Meditation nicht von klein auf gelernt haben. Der Durst nach dieser Stimulation ist uns abtrainiert worden. Hier also eine kleine Einführung in die Grundsätze der daoistischen Alchemie:

In den daoistischen Lebenswissenschaften heißt es, dass uns allen zu Beginn unseres Lebens eine gewisse Menge an Energie zur Verfügung steht. Man kann sich den Körper wie ein Gefäß vorstellen, das vollständig mit einer Flüssigkeit gefüllt ist. Diese Flüssigkeit ist die Lebenskraft, das sogenannte Qi. Wir schöpfen nun also von diesem Qi, um Stress jeglicher Art zu begegnen und das Leben zu meistern.

Jugendliche zum Beispiel haben schlicht aufgrund ihres jungen Alters üblicherweise noch sehr viel Qi zur Verfügung, wodurch sich erklärt, dass sie ihren teils überschwänglichen Lebensstil recht gut verkraften. Kommen nun die ersten Traumata hinzu, die für das Leben unumgänglich sind, wie die Krankheit und der Tod nahestehender Menschen, Unfälle, der erste, schlimme Liebeskummer, oder auch chronischer Stress wie jener durch schlechte Ernährung, jener am Arbeitsplatz, dauernde Sorgen und Angst, langjährige Über-, oder Unterstimulation unserer Bedürfnisse, so zehrt dies an unserem Energiehaushalt.

Einfach gesagt: Gefäß voll = Mensch gesund / Gefäß leer, Körper stirbt. Das Dazwischen ist oft der Beginn von Unwohlsein, gefolgt von Krankheiten.

Der Daoismus beschreibt in diesem Zusammenhang die Prinzipien der Langlebigkeit mit verschiedenen Praktiken, die uns bei täglicher Anwendung gesünder, glücklicher und selbstbestimmter machen können, denn sie zielen darauf ab Energieverlust zu vermeiden und einen Aufbau von Qi zu ermöglichen.

alchemy
aus dem Buch: „Illustrations of the Inner and Outer Alchemie“

Schauen wir uns einige der Prinzipien an:

  • Das Qi zirkuliert frei durch unseren Körper, bestimmten Bahnen folgend. Bei körperlichen und seelischen Blockaden wird dieser Fluss gestört – Meditationspraktiken zielen darauf ab diese Blockaden zu lösen und den natürlichen Fluss wiederherzustellen.
  • Es gibt klassische Bereiche im Körper, über die wir das Qi verlieren. Stell Dir den Körper als ein Haus vor. Draußen ist es kalt, drinnen wird geheizt. Damit die Wärme im Haus bleibt sollen Fenster und Türen gut verschlossen sein. Ist eine Öffnung undicht, so entweicht Wärme nach draußen. Die daoistische Alchemie lehrt uns diese Pforten bewusst zu verschließen, wodurch die Wirkung der Meditation verstärkt wird. Wir lernen so bei Stress unsere Kraft bei uns zu halten. Auch wird der Aufbau und die Aufnahme von Qi erleichtert (das Gefäß beginnt sich zu füllen).
  • Ein großer Teil der Krankheiten in unserer Gesellschaft steht in Zusammenhang mit einem Ungleichgewicht im vegetativen Nervensystem. Ist der Kreislauf Sympathikus – Parasympathikus (d.h. der natürliche Wechsel von Stress zu Ruhe und zurück) gestört so werden die unterschiedlichsten Symptome gefördert. Die weit verbreitete chronische Überstimulation unserer Sinne trägt ihren Teil dazu bei, ebenso wie unaufgelöste Traumata.
    Die unmittelbaren Auswirkungen sind Veränderungen in Pulsrate, Blutdruck und Muskeltonus. Langfristig kann ein vegetatives Ungleichgewicht zum Beispiel zu Bluthochdruck und Muskelhartspann, einer erhöhten Infektanfälligkeit, oder auch zu Depression führen. Unmittelbar können wir selbst den Zustand des vegetativen Nervensystems bei der Betrachtung unserer Atmung und der Körperhaltung spüren und beeinflussen. Hier finden wir auch das Potential für die Lösung von solcherlei Spannungsfeldern. Daoistische Alchemie, d.h. Meditation, Qi Gong und Tai Qi zielen darauf ab die Atmung zu befreien, den Körper aufzurichten, Entgiftungsprozesse zu fördern und dem Bewusstsein einen klaren Fokus zu geben, so dass die notwendigen psychophysischen Prozesse befreit ablaufen können. Die so entstehende Regulation des vegetativen Nervensystems hat eine Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden zur Folge.

Wir können die daoistischen Praktiken ganz bewusst nutzen: zur Überwindung individueller Stressfaktoren, zum (besseren) Meistern des Alltags, bis hin zur Lösung von Traumata und zur Unterstützung in Lebenskrisen, als Mittel um sich selbst aus einengenden Mustern zu lösen und schließlich um kraftvoll und befreit einen Lebensweg zu gehen, der uns erfüllt und glücklich macht.

Das gibt uns die Möglichkeit frei und eigenständig etwas für unser Wohl zu tun.

Die Praktiken ermöglichen uns mit steigender Übung eine Loslösung von unserer individuellen Belastung. Das Schwere wird leicht, wir tanken Kraft und regenerieren spürbar. Es ist eine Arbeit die mit der Zeit an Bedeutung gewinnt – wie der See, der vom Regen genährt mit jedem Tropfen stetig wächst.

Ich bin sehr dankbar diese Methoden lernen zu dürfen und gebe sie gerne an jene weiter, die durch diesen Text neugierig geworden sind.

Geschrieben von Oliver Berner

Heilpraktiker

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